Wer liebt mich, wenn nicht ich?

Jkulsrln - Bucht mit Eisbergen - GletscherIn den letzten Wochen war ich viel unterwegs und wo immer ich auch war in Deutschland oder im Ausland Stress scheint ein weltweites Phänomen zu sein. Ganz oft höre ich aber auch Menschen die von Komfortzonen erzählen, von einem gefühlten Stress, der bei genauerer Betrachtung im Vergleich zu anderen Menschen beispielsweise aus Kriegsgebieten gar keine Berechtigung zu haben scheint. Warum empfinden manche Menschen Situationen stressig und andere berührt dies nicht? Woran liegt das und können wir Resilienz (die Fähigkeit Stress zu verarbeiten) lernen?

Räumen wir zunächst einmal mit einigen Vorurteilen auf. Stress ist keinesfalls ein Problem, das nur uns und unsere Mitmenschen tangiert, Stress wirkt auch nachhaltig auf die nächste Generation.

Die Neurologin Rachel Yehuda stellte bei Babys, deren Mütter kurz vor der Schwangerschaft das Attentat auf das World Trade Center 2001 erlebt hatten anomale Stressreaktionen fest. Aufgrund der Erlebnisse von 9/11 hat sich offenbar die Regulation mehrerer Gene verändert. Die manipulierten Erbanlagen wurden dann an die Nachkommen weitergegeben.“Es ist offensichtlich dass Erinnerungen Spuren in unserem Erbgut hinterlassen“ (Yehuda). Das wirft auf viele Dinge ein anderes Licht. Umso mehr Stress in einer Gesellschaft ist umso mehr Leute werden nachhaltig geschädigt. Umso mehr Leute geschädigt werden, umso stärker wird die nächste Generation belastet. Ein Teufelskreis aus dem wir aussteigen müssen.

Aber wie können wir das tun?

Zunächst müssen wir lernen präventiv zu denken, wir sollten uns also nicht erst mit dem Stress beschäftigen, wenn dieser bereits nachhaltig uns beeinträchtigt, sondern wir müssen bereits unseren Kindern zeigen wie wichtig es ist sich Auszeiten zu nehmen, zurück zu den Wurzeln zu kommen. Und was wir anderen zeigen, sollten wir natürlich auch vorleben.

Heute sind bereits Kinder kleine Manager, mit allen Verbindlichkeiten wie einem prallvollen Terminkalender und kaum freier Zeit. Schuld daran sind einerseits die immer höheren schulischen Anforderungen, auf der anderen Seite aber auch Faktoren wie das heutzutage wesentlich größere Angebot an Freizeitaktivitäten, der riesige Informationsfluss und allgemein die hohen Erwartungen, welche an Kinder und Jugendliche gestellt werden. Und dies nicht nur seitens der Schule, sondern auch durch die Eltern und durch das gesamte soziale Umfeld, zu denen auch Freunde etc. gehören. Und so ist es kaum verwunderlich, dass heute bereits die Jüngsten unter erhöhtem Stress zu leiden haben, mit all den negativen Nebenerscheinungen.
Die fundamentalen Eigenschaften eines lebensfrohen Menschen natürlich in der Kindheit gelegt werden.

Wir sind soziale Wesen

Menschen brauchen stabile Strukturen, denn nur in der Sippe (Team) können wir unser volles Potenzial entfalten. Umso jünger wir sind umso stärker brauchen wir diese Strukturen.Dabei spielt die körperliche Nähe, die körperliche Berührung eine entscheidende Rolle

Ein besonders abschreckendes Experiment berichtet eine Chronik aus dem Jahr 1285 über Kaiser Friedrich II. (1194-1250). Er wollte herausfinden, welche Sprache Kinder sprechen, wenn ihnen niemand etwa vorspricht, von dem sie lernen können. Friedrichs Vermutung ging in Richtung des Hebräischen als ältester Sprache. Aber auch Griechisch, Latein oder Arabisch hätten möglich sein können. Um das herauszufinden ließ der Kaiser Neugeborene in einen Turm bringen. Dort durften die Ammen und Pflegerinnen ihnen Milch geben, sie stillen, baden und trockenlegen, aber auf keinen Fall sie liebkosen oder mit ihnen sprechen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Keines der Kinder überlebte. Ohne Zuwendung oder zärtliche Berührung waren sie nicht überlebensfähig.

Berührung ist für uns Menschen fast so wichtig wie die Luft zum Atmen. Kaum etwas tröstet so sehr wie eine Umarmung, nichts ermuntert mehr als ein Schulterklopfen! Berührung lässt sogar Babys schneller wachsen! Erst seit kurzem wissen Forscher, warum das so ist. Wenn uns ein „Schulterklopfen“ nach einer Niederlage tröstet oder wir barfuß am Strand laufen und den Sand unter den Füßen spüren, macht uns das glücklich!

In solchen Momenten senden Zigtausende der bis zu 20 Millionen Sinneszellen unserer Haut ihre Empfindungen über Nervenbahnen ans Gehirn. Jeden bekannten Reiz, wie z. B. den kuscheligen Lieblingspulli auf unserer Haut, blendet das Gehirn schnell aus. Jede neue, ungewohnte Berührung aber bringt es auf Trab! Tief im Zentrum wird das Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Es schützt vor Stress, stärkt die Widerstandskräfte des Körpers und ist Grundlage dafür, dass Menschen Glück, Liebe und Vertrauen empfinden. Gleichzeitig gelangt mehr Insulin ins Blut, ein Stoff, der die Zuckeraufnahme in die Zellen steuert. Forscher wissen: Zu früh geborene Babys, die regelmäßig sanft gestreichelt werden, nehmen darum viel schneller zu, als Kinder, die einsam in ihren Brutkästen liegen!

Was bei Kindern die direkte körperliche Berührung ist, wird im Erwachsenenalter mit dem Wort Wertschätzung umschrieben.

Schmerzen verstehen wir gemeinhin als etwas, was sich mit handfesten Mitteln lindern lässt: Bei Halsentzündung hilft meist Gurgeln und Wärme, bei verstauchten Gliedmaßen Ruhigstellen. Doch was tun bei Zurückweisung und Liebeskummer? Obwohl ebenfalls schmerzhaft, würde niemand einen Kloß im Hals mit warmen Wickeln behandeln oder ein gebrochenes Herz eingipsen.

Man and woman look at each other

Man and woman look at each other

Auch wenn wir für seelisches Leid oft die gleichen Begriffe verwenden wie für körperlichen Schmerz, unterscheiden sich die Empfindungen in vielerlei Hinsicht. So nehmen wir etwa psychischen Schmerz oft als belastender wahr, wie Forscher der University at Buffalo (USA) feststellten. Gefragt nach dem schlimmsten Erlebnis ihres Lebens, nannten drei von vier Befragten den Verlust eines geliebten Menschen. Eine schwere Verletzung oder Krankheit wurde seltener genannt als zum Beispiel ein beruflicher Rückschlag.

Trotz der unterschiedlichen Eindrücke, mit denen wir psychische und physische Verletzun­gen verbinden, sind ihre Folgen für den Körper mitunter erstaunlich ähnlich. „Stress-Kardio­myopathie“ nennen Fachleute ein seltenes Herzleiden, das ohne erkennbare organische Ursache auftritt. Der wahrscheinlichste Auslöser für die infarktartigen Symptome spiegelt sich in einer anderen Bezeichnung wider: „Gebrochenes-Herz-Syndrom“: Oft geht dem Leid eine besondere emotionale Belastung voran. Offenbar kann Liebeskummer – in extremer Form – einem tatsächlich „das Herz brechen“

Unser Problem ist es, dass wir diese Verletzungen nicht sehen. Wenn die Hand blutet nehmen wir ein Pflaster, wenn wir eine Grippe haben gönnen wir uns Ruhe. Oft werden Menschen die überlastet sind, den Anforderungen nicht mehr standhalten abgegrenzt, als nicht belastbar abgestempelt – ohne dass wir die Faktoren kennen, die dazu geführt haben.

Aber verstehen Sie mich nicht falsch, dies ist kein Artikel, der zum kollektiven Jammern aufruft, dies ist ein Artikel der zur Selbstverantwortung aufruft. Stress ist nicht das Problem unserer Umwelt, Stress ist unser Problem und es gibt 2 Möglichkeitem, Sie können die Welt ändern oder an sich selbst arbeiten. Wenn Sie unglücklich sind über ihre Arbeitssituation reden Sie mit Menschen die Ihnen nah stehen, aber reden Sie auch mit den Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und besprechen Sie was man ändern kann. Wenn Sie unzufrieden sind mit ihrer Partnerschaft, reden Sie mit ihrem Partner. Und jetzt greift das Wort Komfortzone. Sie glauben es ist einfacher die Dinge, die Sie belasten nicht anzusprechen um einen Konflikt zu vermeiden?

Kurzfristig ja, langfristig wird Sie den Mut, ihre Energie und vielleicht sogar ihre Gesundheit kosten.

Seien Sie mutig, atmen Sie tief durch und nehmen Sie die Chance an ihr Leben selbst zu gestalten. Lassen Sie sich nicht passiv bestimmen, arbeiten Sie aktiv an ihrem Glück. Geben Sie nicht die Verantwortung für das Geschenk dieses wundervollen Lebens aus der Hand.

abendliche Idylle am See

 

Ich denke wir haben nur ein Leben, nur eine Chance,

nutzen wir die!!!!!!

Michael

3 Gedanken zu „Wer liebt mich, wenn nicht ich?

    • Genau das praktiziere ich mit meinem Baby!!! Viel Nähe und Zuwendung ist ganz wichtig für Babys. Einige Experten behaupten, dass Babys die viel mütterliche Nähe hatten, werden zu glücklichen und selbstbewussten Erwachsenen!

      • Hallo Daria, es stimmt definitiv, denn heute kann man ganz klar sagen, dass Resilienz deutlich mit körperlicher Nähe im Kleinkindalter steigt. Aber bei einer Mama wie Dir mach ich mir da überhaupt keine Sorgen

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