Spiegelneurone – Emotionen machen uns zum (Mit)Menschen

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Gerade sitze ich in einem Hotel und warte gespannt auf das Pokalspiel,das bald live übertragen wird. Ich erinnere mich, dass es seltsam ist, dass ich mit wildfremden Menschen mitfiebere, dass seit 50 Jahren praktisch kein Samstag vergeht ohne das Ergebnis meines Lieblingsvereins zu kennen.

Wieso ist das so?

Der Grund dafür liegt in unserem Gehirn.

Unser Gegenüber gähnt und wir müssen automatisch auch gähnen, jemand lächelt uns in der Bahn an und wir lächeln ohne nachzudenken zurück, ein Mensch verletzt sich und wir spüren den Schmerz.
Unsere Fähigkeit mitzufühlen egal ob es sich um Schmerz, Trauer oder Freude handelt, verdanken wir den sogenannten Spiegelneuronen. Erst sie machen uns zu einem sozialen, mitfühlenden Wesen

Was sind Spiegelneuronen?

Als Spiegelneuronen bezeichnet man ein System im Gehirn, das Gefühle und Stimmungen anderer Menschen beim Empfänger nachvollziehbar macht. Das Einmalige daran ist, dass bereits Signale ausgesendet werden, wenn jemand eine Handlung nur beobachtet. Die Nervenzellen reagieren genauso, als ob man das Gesehene selbst ausgeführt hätte.
Nehmen wir ein Beispiel aus dem Sport. Als Schweinsteiger sich bei der WM 2014 mit einem unglaublichen Willen und unter Schmerzen für den Erfolg aufopferte, haben auch viele von uns mitgelitten. Mitgefühl, Freude, aber auch Schmerzen zu empfinden, ist erst durch Spiegelneuronen möglich.

Das Gefühl des anderen Menschen, wird umso stärker die Bindung ist, zu unserem eigenen Gefühl.

Spiegelneuronen gehören zur evolutionären Basis unseres Gehirns. Von Geburt an ist der Mensch mit Spiegelneuronen ausgerüstet, die dem Säugling die Fähigkeit geben, bereits wenige Tage nach der Geburt mit seiner Mutter oder seinem Vater erste Aktionen der Spiegelung vorzunehmen. Frühe Spiegelungen sind nicht nur möglich, sondern sie entsprechen dem emotionalen Grundbedürfnis des Neugeborenen.

Spiegelneuronen - 3d Render

Die Fähigkeit zu spiegeln entwickelt sich nicht von allein, sie braucht einen Partner. Beim Baby ist es die Mutter oder eine andere Bezugsperson, die die Möglichkeit der Spiegelaktionen aktiviert. Kinder müssen erst lernen, die Gefühle der anderen zu erfühlen. Forscher gehen davon aus, dass zwischen dem 3. und 4. Lebensjahr die Spiegelneuronen voll entwickelt sind. Ab diesem Zeitpunkt hat das Kind eine eigene, unabhängige Sichtweise auf die Welt. Dass die Spiegelneuronen bei Kleinkindern aktiv sind, wird sichtbar, wenn ein Kind anfängt beispielsweise seine Mutter zu trösten. Es hat in dem Moment erkannt und gespiegelt, dass die Mutter traurig ist, als Reaktion tröstet das Kind die Mutter.

Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Funktion der Spiegelneuronen spielen Vorerfahrungen. Wer erfahren musste, dass freundliche Menschen unerwartet unangenehme Seiten zeigen, dessen Spiegelneuronen werden anders auf freundliche Menschen reagieren als Personen, die keine schlechten Erfahrungen gemacht haben. Wird die Fähigkeit zu spiegeln unterdrückt oder nicht genutzt, geht sie verloren. „Use it or lose it“ (nutze sie oder verliere sie) heißt die Devise der Forscher, die auf alle Nervenzellsysteme zutrifft, die Spiegelneuronen nicht ausgenommen.
Spiegelneuronen können ein Leben lang angeregt werden und sind in der Lage neue Erfahrungen zu machen, die gespeichert werden und dann wieder abrufbar sind.
Das Funktionieren der Spiegelneuronen ist für unser alltägliches Zusammenleben unentbehrlich. Wir haben bestimmte Muster abgespeichert, die uns signalisieren, was bestimmte Handlungen bedeuten. Ohne intuitive Gewissheiten darüber, was eine gegebene Situation unmittelbar nach sich ziehen wird, wäre ein Miteinander von Menschen undenkbar. Es reichen wenige Zeichen, um aus den Bewegungen anderer Menschen die richtigen Schlüsse zu ziehen. In einem vollen Kaufhaus erkennen wir intuitiv, wohin die anderen Menschen sich bewegen werden und reagieren entsprechend darauf. Spiegelneurone führen wahrgenommene Situationen und Handlungen vorausschauend zu Ende. Sie lassen uns also erahnen, was unser Gegenüber als nächstes tun wird. So ist es möglich, dass wir durch ein volles Kaufhaus gehen ohne ständig mit anderen zusammen zu stoßen.

Welche Bedeutung haben Spiegelneurone in der Evolution?

Lange Zeit ging die Forschung, gestützt auf Darwin, davon aus, dass evolutionsgeschichtlich der Stärkste überlebt, nach dem Motto „survival of the fittest“. Nach der Entdeckung der Spiegelneuronen kann der Kampf ums Überleben nicht mehr als einziges Ziel der Evolution angesehen werden. Menschen sind auf beides angewiesen: das eigene Überleben durch permanente Anpassung zu sichern, zu erkennen, von wem und was Gefahr ausgeht, und gleichzeitig andere zu finden, die die eigenen Gefühle und Bedürfnisse „spiegeln“.
Die Fähigkeit, die Emotionen anderer zu spiegeln, unterscheidet uns auch von den Tieren. Dennoch geht die Wissenschaft davon aus, dass gerade bei Tieren, die in Schwärmen auftreten, zum Beispiel bei Zugvögeln oder Fischen, so etwas wie Spiegelvorgänge existieren müssen.

Emotionen sind also übertragbar.

Dies gilt sowohl positiv als auch negativ. Emotionale Schwankungen, Instabilität und Stress sind dabei starke Parameter, die bevorzugt aufgenommen werden.

Gerade berufliche Teams fordern uns da sehr, da wir die Zusammensetzung meist nicht aktiv beeinflussen können.

Dort wo ein Großteils des Lebens verbracht wird muss genau hingeschaut werden, wir schauen mit einem Netzwerk von speziell geschulten Trainern hin und nutzen dabei die Spiegelhormone um Stress zu minimieren und Glück zu multiplizieren.

Wir sind der Kapitän unseres Gehirns, wir navigieren und entscheiden die Richtung.

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Navigieren Sie raus aus dem Stress und hinein ins Glück

Michael