Das Gedächtnis der Gefühle

Freude, Angst oder Scham: Die Emotionen von einst können unser Verhalten ein Leben lang prägen. Über die große Macht kleiner Augenblicke

Die Angst vor der Mathearbeit, der erste Kuss, ein schlimmer Streit: Es gibt Momente, die man nie vergisst. Wenn unsere Welt in Aufruhr gerät, brennen sich Erlebnisse ins Gedächtnis ein, das ist bekannt. Die Macht der Emotionen und Gefühle reicht aber noch viel weiter. Sie hält auch Erfahrungen fest, an die wir uns später gar nicht mehr bewusst erinnern können.

Kleine Augenblicke können nicht nur unser Leben, sondern auch das Leben unserer Kinder, der nächsten Generation tief beeinflussen.

Die Neurologin Rachel Yehuda stellte bei Babys, deren Mütter kurz vor der Schwangerschaft das Attentat auf das World Trade Center 2001 erlebt hatten anomale Stressreaktionen fest. Aufgrund der Erlebnisse von 9/11 hat sich offenbar die Regulation mehrerer Gene verändert. Die manipulierten Erbanlagen wurden dann an die Nachkommen weitergegeben.“Es ist offensichtlich dass Erinnerungen Spuren in unserem Erbgut hinterlassen“ (Yehuda)

Zum ersten Mal sehen wir damit dass Gefühle mehr sind als temporär vergängliche Emotionen.

Wir besitzen also nicht nur ein Gedächtnis für Fakten und Fertigkeiten. Auch unsere Emotionen werden im Gehirn verankert. Von dort aus nehmen sie Einfluss auf unser Leben, entziehen sich aber oft der Kontrolle. Das gilt für Prägungen aus frühester Kindheit, aber auch für spätere Erfahrungen. Lange Zeit wollten die Menschen das nicht wahrhaben, seit Aristoteles beschworen Generationen von Philosophen die reine Vernunft, die unsere Existenz bestimmen sollen. Tatsächlich fällen wir viele Entscheidungen aber nicht rational, sonder aus dem Bauch heraus – auf der Basis abgespeicherter Emotionen. Und das aus gutem Grund. Das emotionale Gedächtnis erfüllt evolutionsgeschichtlich einen wichtigen Zweck: In gefährlichen Situationen würde es oft zu lange dauern.

Schauen wir uns Reaktionsweisen im Gehirn an.

Durchsichtiger menschlicher Kopf mit Blick auf das Gehirn mit den farbig markierten unterschiedlichen Bereichen für Wahrnehmung, Denken, Erinnerung, etc. auf rotem Hintergrund

Durchsichtiger menschlicher Kopf mit Blick auf das Gehirn mit den farbig markierten unterschiedlichen Bereichen für Wahrnehmung, Denken, Erinnerung, etc. auf rotem Hintergrund

Unter normalen Umständen fließt die Information vom Auge zum visuellen Kortex, danach folgt eine Weiterleitung zum präfrontalen Kortex, der die Information bewertet und über die Reaktion entscheidet. Anschließend wird die Entscheidung an den motorischen Kortex geschickt, der unsere Muskeln aktiv werden lässt.Unter Stress wird dieser Ablauf unterbrochen. Der präfrontale Kortex wird übergangen und die Informationen gelangen direkt vom Sinnessystem zum motorischen Kortex. Dafür gibt es eine logische Erklärung – wenn wir die Straße überqueren und ein Auto kommt auf uns zu, muss eine direkte Reaktion erfolgen um das Leben zu schützen. Ein Umweg im Gehirn würde zu lange dauern. Die Stilllegung des präfrontalen Kortex dient also dem Überleben, wir handel auf einer Grundlage, die man als fight or flight – Reaktion bezeichnet.

Zwar sind die Emotionen selbst ein archaisches Erbe und somit universell; auch Tiere können Angst oder Enttäuschung, Zuneigung oder Neugierde fühlen. Doch wann sie auftreten und wie sich die Gefühlen äußern, ist individuell unterschiedlich. Sie brauchen einen Auslöser, der auf unserem ganz persönlichen Schatz an emotionalen Erinnerungen basiert. Sie sind verknüpft mit Ereignissen und Erfahrungen. Das lässt uns auf bestimmte Situationen emotional reagieren, ohne dass uns der Grund dafür bewusst ist. Schon Freud beschreibt die Macht des Unbewussten. Und Neurowissenschaftler bestätigen dies heute. Sie unterscheiden zwischen dem deklarativen und dem nicht deklarativen, impliziten Gedächtnis. Ersteres macht es möglich, sich Fakten oder Ereignisse explizit wieder ins Bewusstsein zu rufen. Letzteres speichert Erfahrungen ab, die uns gar nicht mehr präsent sind – und drücken sich vor allem in unserem Verhalten aus. Es flutet uns mit Gefühlen. Auslöser sind oft Sinneseindrücke: Eine Melodie stimmt uns melancholisch, der Geruch von Chlor macht uns euphorisch oder nervös.

Wir arbeiten heute im Training mit diesen Parametern weil nicht nur Gefühle, sondern auch die Reaktionen darauf gespeichert sind. So hinterlegen wir in den Seminaren Gefühlsanker in den Gehirnen der Teilnehmer, die in sehr stressigen Situationen abrufbar sind. In diesen Momenten ist das Gehirn dann in der Lage sogenannte Glückshormone erneut zu stimulieren und so deutlich lösungsorientierter zu handeln.
Elitesoldaten nutzen die sogenannte Mind´s-Eye-Technik, die die Stressresistenz weiter erhöht. Hierbei rufen die Kadetten in Stresssituationen Bilder ab, die Sie zuvor positiv im Gehirn abgespeichert haben. Die positiven Bilder, die Erfolgserlebnisse verdrängen Panik.

Wir wollen aber nicht nur über Stress reden, wir wollen über Glück reden und genau das kann unser Gehirn!

Es sind die kleinen Dinge die man ändern und damit das Lebensgefühl positiv beeinflussen kann.

Wichtig ist es, dass dabei die Grundlage stimmt. Wir arbeiten ganz eng mit Medizinern zusammen, die präventiv denken, die im Idealfall dort ansetzen wo noch keine Probleme entstanden sind. Gibt es dann doch welche sind verschiedene Ebenen notwendig um zurück ins Gleichgewicht zu kommen

– Kenntins der eigenen genetischen Chancen und Risiken
– Kenntnis der medizinischen Parameter
– Die Bereitschaft eigenes Verhalten zu reflektieren und zu variieren

Lasst uns zusammen diesen Weg gehen,

das Leben wartet

Abendsonne mit Bulli

Michael