Stress als Wechselspiel von Physis und Psyche

Stress als Wechselspiel von Physis und Psyche

Es scheint ein Wechselspiel von Physis und Psyche zu geben, die unsere Fähigkeit Stress zu verarbeiten entscheidend beeinflusst.
Wer als Kleinkind schon schlechte Erfahrungen im Umgang mit Stress gesammelt hat, wird im Erwachsenenalter schlechter mit Stress zurechtkommen und leichter Opfer eines Burnouts werden.
Im Tierversuch wurde erstaunliches bewiesen. Rattenjunge, die als Kleintiere öfter mit den Eltern Körperkontakt hatten – kuscheln durften – waren später deutlich resistenter gegen stressbedingte Erkrankungen.
Dies korrespondiert auch mit der Meinung vieler Psychosomatiker, die herausstellen dass Stress stark begünstigt wird dadurch dass der moderne Mensch seine 4 seelischen Grundbedürfnisse dem Berufsleben unterordnet
1. Das Verlangen nach Orientierung und Kontrolle
2. Der Wunsch an Entwicklungsprozessen teilzuhaben und soziale Beziehungen zu pflegen.
3. Das Streben nach Anerkennung, Lob und Akzeptanz innerhalb der Gruppe
4. Das Bedürfnis sich selbst Möglichkeiten der Entspannung einzuräumen

Dazu kommt noch eine Funktion unseres Gehirns, die im Normalfall leider wenig Beachtung findet.
Wir haben nur ein Schmerzzentrum, dies bedeutet dass dort sowohl körperlicher als auch seelischer Schmerz wird. Dies bereitet unserem Körper erhebliche Probleme.

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Naomi Eisenberger (University of California Los Angeles) und Kollegen haben nun genau diese Verbindung untersucht und stellten fest:
Parallel zu Studienergebnissen über körperliche Schmerzen zeigt sich in den gleichen Gehirnregionen auch eine erhöhte Aktivität bei seelischem Schmerz, in diesem Fall ausgelöst durch soziale Zurückweisung.
Erstaunlich ist weiterhin, dass die wechselseitige Beeinflussung von sozialen wie körperlichen Schmerzen offenbar in beide Richtungen funktioniert. Bekamen Probanden Paracetamol oder ähnliche Schmerzmittel, empfanden sie die soziale Ausgrenzung und Zurückweisung als längst nicht so massiv wie jene Versuchsteilnehmer, die ein Scheinpräparat schluckten, nachdem sie von der Gruppe, einem Spiel oder anderen angenehmen Situationen ausgeschlossen worden waren.
Den Grund für die Parallele zwischen seelischer und körperlicher Schmerzverarbeitung vermuten die Forscher in der Sorge um das Überleben der Art.

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Denn gerade für Säugetiere ist der soziale Zusammenhalt hierbei enorm wichtig. So verweisen sie etwa auch auf eine Studie, der zufolge der ACC (Bereich der Schmerzverarbeitung) bei Müttern aktiv wird, wenn ihre Säuglinge schreien.
Dies sollte unsere Art zu denken nachhaltig beeinflussen. Natürlich fügen wir Menschen aus unserem sozialen und gesellschaftlichen Umfeld keine körperlichen Schmerzen zu unter anderem weil wir wissen dass dies rechtlich sanktioniert wird. Menschen nicht wertschätzend zu begegnen hat im Grunde den gleichen Effekt, aber was nicht sanktioniert wird, tun wir weiter und dies nicht nur bei anderen, sondern auch bei uns selbst.

Buch

Dieser Umstand wird Personalführung in den nächsten Jahren stark beeinflussen. Wertschätzung wird zum Wirtschaftsfaktor. Wenn ich mehr von meinen Mitarbeitern fordere und Druck der nicht funktionierende Weg ist, muss ich andere Wege einschlagen. Kluge Unternehmen, die dies erkennen und umsetzen werden Wettbewerbsvorteile haben, denn am Ende gibt es nur einen Weg zum Erfolg, den Weg über den motivierten Mitarbeiter, über den Menschen.

Michael

Ein Gedanke zu „Stress als Wechselspiel von Physis und Psyche

  1. Hochinteressanter Beitrag.
    Die Zusammenhänge sind nachvollziehbar und vor allem logisch dargestellt.
    Der Wertung kann ich mich voll und ganz anschließen.
    Dankeschön

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